Beidseitiges Fehlen des SamenleitersDer Samenleiter ist eine lange, röhrenförmige Struktur, die den Nebenhoden (wo die Samenzellen gelagert werden) mit der Harnröhre (der Röhre, die die Samenzellen ausstößt) verbindet. Beim Samenerguss (Ejakulation) fließen die Samenzellen aus den Hoden, gelangen über den Samenleiter in die Harnröhre und von dort über den Penis nach draußen. Bei einem kongenitalen beidseitigen Fehlen des Samenleiters (CBAVD, Congenital Bilateral Absence of the Vas Deferens) fehlt der Samenleiter von Geburt an. Dies führt zu einer starken Beeinträchtigung der männlichen Fruchtbarkeit, da die Samenzellen förmlich in den Hoden stecken bleiben, und keine Möglichkeit besteht, die Harnröhre zu erreichen um beim Geschlechtsverkehr nach draußen zur weiblichen Partnerin zu gelangen. SymptomeEin Mann mit dieser Störung muss nicht unbedingt unter Beschwerden leiden. Nur wenn es sich bei einer Samenanalyse herausstellt, dass im Sperma des Mannes überhaupt keine Samenzellen vorhanden sind (Azoospermie), kann dies ein Anzeichen für diese Störung sein.UrsacheDiese Störung ist kongenital, d.h. sie besteht seit der Geburt und in den meisten Fällen bereits vor der Geburt. 65% der Männer mit CBAVD sind zugleich Erbträger der zystischen Fibrose (Mukoviszidose). 40% der betroffenen Männer leiden an einer leichten Form, die sich nur als CBAVD manifestiert. Es ist unerlässlich, dass beide Partner in Bezug auf eine zystische Fibrose untersucht werden, um sicherzugehen, dass sie die zystische Fibrose nicht auf ihre Nachkommen übertragen. Ein Humangenetiker kann bei der Interpretation der Ergebnisse behilflich sein. Wenn sich herausstellt, dass beide Partner Erbträger sind, ist eine genetische Präimplantationsdiagnostik (PID) eine Möglichkeit, um bei einer IVF- oder ICSI-Behandlung eine genetische Untersuchung des Embryos durchzuführen, bevor dieser in die Gebärmutter transferiert wird. BehandlungDa die Samenleiter fehlen, ist es nicht möglich, etwas wiederherzustellen oder wieder miteinander zu verbinden! Wenn in den Hoden noch Samenzellen produziert werden, gibt es operative Möglichkeiten, die Samenzellen oder Vorstadien derselben aus dem Körper zu gewinnen. Mit den auf diese Weise gewonnenen Samenzellen kann eine IVF- oder ICSI-Behandlung durchgeführt werden. Bei der so genannten MESA (Mikrochirurgische Epididymale Spermien-Aspiration) werden Samenzellen operativ aus den Nebenhoden gewonnen. Zur Gewinnung von Samenzellen kann auch eine Biopsie oder Punktion der Hoden oder Nebenhoden durchgeführt werden. Mit den auf diese Weise gewonnenen Samenzellen kann anschließend eine ICSI-Behandlung durchgeführt werden. |
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